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Antworten der SPD

Sehr geehrter Herr Hückstädt,

wir kommen Ihrer Bitte gerne nach und leiten Ihre Email an den Wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion weiter.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Anja Krogh
(Mitarbeiterin)

SPD Parteivorstand

 

Sehr geehrter Herr Hückstädt,

vielen Dank für Ihre eMail vom 14.06.2005. Ich habe Ihre email an entsprechende Stelle weitergeleitet. Ob Sie eine Rückmeldung bekommen kann ich nicht garantieren. Wir haben Ihre Konzept auf jeden Fall sehr spannend gefunden!

Mit freundlichen Grüßen

Maike Schölmerich


SPD Parteivorstand
Dialog-Service
Tel.: +49 (0)30 25991 500
Fax: +49 (0)30 25991 346

Ute Vogt

 

Sehr geehrter Hückstädt,

vielen Dank für Ihre Mail vom 09. Juni und das eingesandte Positionspapier. Ich kenne die Schriften von Silvio Gesell, auf dessen Konzept des Freigeldes Sie sich unter dem Namen Lebensgeld offensichtlich beziehen. Ich muss Ihnen allerdings mitteilen, dass ich die Ansichten von Gesell und verwandte Theorien nicht teile. Die gesamte Lehre fußt auf der falschen Annahme, dass Geld nicht "rostet" oder d.h. an Wert einbüßt. Tatsächlich kann Geld aber durchaus an Wert verlieren, durch Inflation, durch Wechselkursschwankungen, im Gefolge ökonomischer und politischer Entwicklungen. In Deutschland wurde das Geld 1923 und 1948 völlig entwertet: Die Besitzer von Produktionsmitteln, von Fabriken, Boden, Maschinen oder Rohstoffen, profitierten.

Ich teile die Idee einer gerechten Gesellschaft, in der niemand gezwungen ist, sich ausbeuten zu lassen oder sich selbst auszubeuten. Allerdings gibt es ökonomische Theorien - die in der Geschichte der SPD eine bedeutende Rolle gespielt haben - die die Zusammenhänge zwischen Kapitaleinsatz und Mehrwerterwirtschaftung in meinen Augen deutlich besser erklären, als das - verzeihen Sie diesen Ausdruck - naive Modell Gesells.

Auch bei Experimenten mit dem Freigeld, etwa dem Paradebeispiel der
Gesellianer in dem österreichischen Dorf Wörgl 1932, tauschten die
Bürger ihr Bargeld gegen neues Schwundgeld um. Diese neue Währung
verlor jeden Monat ein Prozent ihres Wertes. Die Gemeinde hatte
dadurch 2.000 Schilling Gewinn im Monat, konnte Schulden abzahlen und
die Infrastruktur ausbauen. Weder die Bankguthaben der Reichen, noch
deren Sachwerte wurden angegangen, sondern die Bargeldbestände aller
Bürger. Schwundgeld ist somit also nichts anderes als eine getarnte
nichtprogressive Steuer.

Deswegen sehe ich für mich leider keine Möglichkeit, Sie in Ihrem Anliegen zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen


Ute Vogt

--
Abgeordnetenbüro
Ute Vogt, MdB
Platz der Republik
11011 Berlin

Tel.: (0 30) 227 - 7 11 53
Fax : (0 30) 227 - 7 61 98
http://www.ute-vogt.de

Bernd Hückstädt an Ute Vogt

 

Sehr geehrte Frau Vogt,

haben Sie ganz herzlichen Dank, dass Sie sich trotz der vielen Anfragen mit dem Lebensgeld-Konzept beschäftigt und persönlich geantwortet haben! Gerne nehme ich unten zu Ihren Argumenten Stellung:

Ute Vogt wrote:

>Sehr geehrter Hückstädt,
>
>vielen Dank für Ihre Mail vom 09. Juni und das eingesandte Positionspapier.
> Ich kenne die Schriften von Silvio Gesell, auf dessen Konzept des Freigeldes
> Sie sich unter dem Namen Lebensgeld offensichtlich beziehen.

Offensichtlich liegt hier ein Missverständnis vor. Lebensgeld ist ein eigenständiges Konzept und geht weit über die Theorien von Silvio Gesell hinaus. Neben der Tilgung der Staatsschulden - was ja alleine schon eine volkswirtschaftliche Sensation ist - sieht es ein Garantiertes Grundeinkommen für alle Menschen vor. Damit löst es unter anderem die Probleme der Arbeitslosigkeit, die Renten-Problematik, die Versorgungs-Problematik bei alleinerziehenden Elternteilen und kann zum sanften Ausgleich zwischen den bisher ärmeren und reicheren Ländern führen. Letzteres trägt aktiv zur Friedens-Sicherung bei.

Weiterhin bietet Lebensgeld ein garantiertes Staatseinkommen, unabhängig vom BIP und somit unabhängig von Wirtschaftskrisen, sowie einen Ausgleichs- und Umweltfonds zur Sanierung der ökonomischen und ökologischen Altlasten.

Wenn Sie das Lebensgeld in die Gesell-Schublade stecken, verbaun Sie möglicherweise eine Chance auf eine bessere Zukunft für uns alle.


>Ich muss Ihnen allerdings mitteilen, dass ich die Ansichten von Gesell und verwandte Theorien nicht teile.
> Die gesamte Lehre fußt auf der falschen Annahme, dass Geld nicht "rostet"; oder d.h. an Wert einbüßt. Tatsächlich kann Geld aber durchaus an Wert verlieren, durch Inflation, durch Wechselkursschwankungen, im Gefolge ökonomischer und politischer Entwicklungen.
> In Deutschland wurde das Geld 1923 und 1948 völlig entwertet: Die Besitzer von Produktionsmitteln, von Fabriken, Boden, Maschinen oder Rohstoffen, profitierten.


Das sehe ich genau so.
Für Produktionsmittel, Fabriken, Boden, Maschinen oder Rohstoffe gibt es zwar bereits gute Lösungsansätze, aber sie werden noch viel zu wenig wahrgenommen und diskutiert. Ich danke Ihnen für den Impuls, diese Thematik auch im Rahmen der Natürlichen Ökonomie verstärkt zu behandeln.

>
> Ich teile die Idee einer gerechten Gesellschaft, in der niemand gezwungen ist, sich ausbeuten zu lassen oder sich selbst auszubeuten.
> Allerdings gibt es ökonomische Theorien - die in der Geschichte der SPD eine bedeutende Rolle gespielt haben -
> die die Zusammenhänge zwischen Kapitaleinsatz und Mehrwerterwirtschaftung
> in meinen Augen deutlich besser erklären, als das - verzeihen Sie diesen Ausdruck - naive Modell Gesells.


Ich sehe ein, dass diese Theorien die Zusammenhänge in Ihren Augen besser erklären. Aber haben sie auch etwas Positives bewirkt? An welchen Früchten lassen sie sich erkennen? Riester-Rente? Hartz 4? Besteuerung der privaten Lebensversicherungen?

>
>
> Auch bei Experimenten mit dem Freigeld, etwa dem Paradebeispiel der
> Gesellianer in dem österreichischen Dorf Wörgl 1932, tauschten die
> Bürger ihr Bargeld gegen neues Schwundgeld um. Diese neue Währung
> verlor jeden Monat ein Prozent ihres Wertes. Die Gemeinde hatte
> dadurch 2.000 Schilling Gewinn im Monat, konnte Schulden abzahlen und
> die Infrastruktur ausbauen.

Für eine naive Theorie ist das schon eine ganze Menge.
Und nicht nur das: 1932 war heftigste Rezession. Genau in dieser Zeit erlebte Wörgl einen unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung, bis auf Veranlassung der Wiener Nationalbank das Projekt verboten wurde.

> Weder die Bankguthaben der Reichen, noch
> deren Sachwerte wurden angegangen, sondern die Bargeldbestände aller
> Bürger.

Will die SPD den Reichtum bekämpfen oder allen Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen?
Das sind zwei grundverschiedene Dinge.

> Schwundgeld ist somit also nichts anderes als eine getarnte
> nichtprogressive Steuer.


Wir sollten unbedingt differenzieren zwischen

1. der Besteuerung des Geldflusses (Einkommenssteuern, Umsatzsteuern, Verbrauchssteuern usw., die systembedingt die Wirtschaft abbremst und nur bei extremen wirtschaftlichen Ungleichgewicht (z.B. Billig-Lohn-Ländern) eine gewisse Zeit funktionieren kann,

2. Vermögenssteuern, die - auch wenn sie linear sind - die höheren Guthaben mehr belasten als die niedrigeren und daher zur Kapitalflucht führen,

3. der Dynamik/Vergänglichkeit des Lebensgeldes, die
a) die Lebensgeld-Schöpfung erst möglich macht,
b) in Verbindung mit dem Vermögens-Umtausch eine Absicherung der Privatvermögen auch bei einem Geldcrash ermöglicht,
c) zinsfreie Kredite und Wertanlagen zum Vorteil aller Beteiligten bietet.


Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Offenheit und stehe Ihnen weiterhin gerne für Fragen, Kritik und Anregungen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Hückstädt

Hermann Bachmaier

 

Sehr geehrter Hückstädt,

Ihr Konzept zur Sanierung unseres Staatshaushalts ist bei mir und einigen Kollegen aus der SPD-Landesgruppe Baden-Württemberg eingegangen.

Offensichtlich haben Sie sich sehr viel Mühe mit der Ausarbeitung gemacht und sicher einiges an Zeit aufgewandt. Bedauerlicherweise kann ich aber auch bei näherer Betrachtung eine konkrete Umsetzbarkeit Ihres Ansatzes für die praktische Politik nicht erkennen. Nun bin ich kein Wirtschaftsfachmann und mein Vorstellungsvermögen mag in dieser Hinsicht beschränkt sein. Mir scheint Ihre Idee jedoch eine Utopie zu sein, die mit den realen Gegebenheiten des politischen Alltags - und in dem landet man nun einmal oft hart auf dem Boden der Tatsachen - nicht viel zu tun hat.

Diese persönliche Einschätzung sollte Sie indes nicht entmutigen, sich auch weiterhin mit eigenen Ideen am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen.

Mit freundlichen Grüßen

Hermann Bachmaier