Ihre Position: Akademie » Politik & Frieden » E-Mail an Bundestag »  Antworten: CDU

Antworten der CDU

Ronald Pofalla

 

Sehr geehrter Herr Hückstädt,

haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre äußerst interessanten Ausführungen zu einer neuen Währung in Form des Lebensgelds. Ich halte Ihre Ausführungen und Ideen theoretisch für reizvoll, leider sehe ich aber keine Möglichkeit, diese in der Praxis umzusetzen. Zu komplex sind doch die weltweiten Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Wirtschaftssysteme. Deutschland könnte aus der Ordnung der Währungseinheiten kaum unproblematisch ausscheren. Zudem halte ich ein Mindesteinkommen, wie sie es vorschlagen, das einem Mindestlohn gleich käme, für schädlich, da gerade im Niedriglohnsektor die Marktkräfte vollkommen außer kraft gesetzt würden. Leider bleiben Sie auch eine Antwort schuldig, wie wir in Deutschland realistischerweise die Arbeitslosigkeit bekämpfen können. Gerne werde ich Ihr Konzept aber in meinem Kollegenkreis weiter diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ronald Pofalla, MdB

Bernd Hückstädt an Ronald Pofalla

 

Sehr geehrter Herr Pofalla,

haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre Antwort und Ihre Bereitschaft, das Lebensgeld-Konzept in Ihrem Kollegenkreis weiter zu diskutieren! Gerne nehme ich unten zu Ihren Argumenten Stellung:


Zitat:


haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre äußerst interessanten Ausführungen zu einer neuen Währung in Form des Lebensgelds. Ich halte Ihre Ausführungen und Ideen theoretisch für reizvoll, leider sehe ich aber keine Möglichkeit, diese in der Praxis umzusetzen. Zu komplex sind doch die weltweiten Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Wirtschaftssysteme. Deutschland könnte aus der Ordnung der Währungseinheiten kaum unproblematisch ausscheren.



Gerade hier sehe ich eine große Stärke des Lebensgeld-Konzeptes. Lebensgeld ist konzipiert als Komplementärwährung, also den Euro ergänzende Währung. Komplementärwährungen gibt es bereits jetzt schon in Form von Gutschein-Systemen (z.B. Flugmeilen) und Regio-Währungen. Die weltweiten Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Wirtschaftssysteme werden durch eine Komplementärwährung nicht wesentlich tangiert. Ganz abgesehen, dass das Beispiel Schule machen könnte und sich andere Länder gerne anschließen. Denn hier gewinnen alle Beteiligten. Ich sehe Lebensgeld als eine große neue Chance für ein gemeinsames Europa.

Zitat:

Zudem halte ich ein Mindesteinkommen, wie sie es vorschlagen, das einem Mindestlohn gleich käme, für schädlich, da gerade im Niedriglohnsektor die Marktkräfte vollkommen außer kraft gesetzt würden.




Erlauben Sie, dass ich Sie auf ein geschichtliches Ereignis aufmerksam mache:

Im September 1995 versammelten sich im Fairmont Hotel in San Francisco 500 führende Politiker, Wirtschaftskapitäne, Wissenschaftler und Medienmogule, um über Wege „zu einer neuen Zivilisation“ zu diskutieren. Eingeladen hatten diesen „globalen Braintrust“ Michail Gorbatschow und seine Stiftung, die ihm amerikanische Mäzene eingerichtet hatten. Die Kürze der Redezeit (2 Minuten pro Wortmeldung) führt dazu, daß Zukunftsvisionen in besonders griffige und kurze Formeln geprägt werden. Zwei Formeln, die Furore machen, sind die „20:80-Gesellschaft“ und das „Tittytainment“.

Die 20:80-Gesellschaft bedeutet im Klartext: 20% der Weltbevölkerung reichen aus, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten.

Tittytainment bedeutet: die 80% müssen mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung („Entertainment“) und Ernährung (für die der nährende Busen steht, die „tits“) ruhiggestellt werden. - „Brot und Spiele“ hieß das früher einmal.

Weiter Informationen:
www.sozialimpulse.de/pdf-Dateien/Globalisierungsfalle.pdf


Zitat:

Leider bleiben Sie auch eine Antwort schuldig, wie wir in Deutschland realistischerweise die Arbeitslosigkeit bekämpfen können.




Hier schließt sich der Kreis: Arbeitslosigkeit lässt sich nicht bekämpfen. Lebensgeld ist das einzige (mir bekannte) Wirtschaftskonzept, das der neuen 20:80-Gesellschaft gerecht wird. Mit Lebensgeld verwandelt sich das Schreckgespenst "Arbeitslosigkeit" in den neuen Segen selbstbestimmter Zeit. Das klingt heute vielleicht noch ungewöhnlich oder gar unglaublich. Morgen bereits wird die 20:80-Gesellschaft weltweit Realität sein. Wir haben keine Möglichkeit das zu ändern. Doch wir haben die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass das zum Segen von Mensch und Natur geschieht.

Herzliche Grüße
Bernd Hückstädt

Friedrich Merz

 

Sehr geehrter Herr Hückstädt,
vielen Dank für Ihre Email vom 9. Juni 2005 an Herrn Friedrich Merz, MdB, in der Sie die Einführung eines Lebensgeldes in Deutschland vorschlagen. Herr Merz hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Sie schlagen vor, in Deutschland neben dem Euro eine weitere Währung (FREE) einzuführen. Für jeden Bürger sollen in dieser Währung so genannte Lebensgeldkonten geführt werden, die nur Guthaben aufweisen dürfen. Mittels dieser Konten soll ein Grundeinkommen garantiert werden. In gleicher Höhe soll ein Staatseinkommen garantiert werden, so dass Steuern und Sozialabgaben nicht länger erforderlich wären.
Ich sehe es in der Praxis als unmöglich an, ein solches System einzuführen. Jeder Person ein Grundeinkommen zu garantieren, ohne dass dafür eine Gegenleistung erforderlich wäre, würde von den Leistungsträgern einer Gesellschaft als nicht gerecht empfunden werden und somit eigenes Streben nach wirtschaftlichem Erfolg und Fortschritt behindern. Ein solches Streben jedes Einzelnen ist in einer funktionierenden Volkswirtschaft, die den Grundsätzen der Marktwirtschaft gerecht werden will, jedoch zwingend erforderlich. Auch würde die Führung der einzelnen Lebensgeldkonten eine umfangreiche Bürokratie nach sich ziehen. Weiterhin hat durch die Politik der rot-grünen Bundesregierung hinsichtlich des Stabilitäts- und Wachstumspaktes das währungspolitische Ansehen Deutschlands in der Welt und damit der hiesige Wirtschaftsstandort bereits umfangreichen Schaden genommen, so dass weitere Diskussionen hinsichtlich der Einführung einer Parallelwährung zur weiteren Verunsicherung nicht nur bei den Bürgern beitragen würden.

Ich bitte Sie um Verständnis, dass Herr Merz Ihnen aufgrund der Vielzahl der hier eingehenden Schreiben nicht persönlich antworten kann.

Mit freundlichen Grüßen



Julia Große-Wilde
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin -

Bernd Hückstädt an Friedrich Merz

 

Sehr geehrter Herr Merz,

haben Sie ganz herzlichen Dank, dass Sie sich trotz der Vielzahl der eingehenden Schreiben mit dem Lebensgeld-Konzept beschäftigt und eine Antwort veranlasst haben! Gerne nehme ich unten zu Ihren Argumenten Stellung:

Zitat:

Original von Friedrich Merz

Sie schlagen vor, in Deutschland neben dem Euro eine weitere Währung (FREE) einzuführen. Für jeden Bürger sollen in dieser Währung so genannte Lebensgeldkonten geführt werden, die nur Guthaben aufweisen dürfen. Mittels dieser Konten soll ein Grundeinkommen garantiert werden. In gleicher Höhe soll ein Staatseinkommen garantiert werden, so dass Steuern und Sozialabgaben nicht länger erforderlich wären.
Ich sehe es in der Praxis als unmöglich an, ein solches System einzuführen. Jeder Person ein Grundeinkommen zu garantieren, ohne dass dafür eine Gegenleistung erforderlich wäre, würde von den Leistungsträgern einer Gesellschaft als nicht gerecht empfunden werden und somit eigenes Streben nach wirtschaftlichem Erfolg und Fortschritt behindern. Ein solches Streben jedes Einzelnen ist in einer funktionierenden Volkswirtschaft, die den Grundsätzen der Marktwirtschaft gerecht werden will, jedoch zwingend erforderlich.



Lebensgeld bietet ein Garantiertes Grundeinkommen und macht damit den Zwang zur Arbeit überflüssig. Das ist richtig. Andererseits bietet es durch die Freiheit von Steuern und Sozialabgaben eine hohe positive Motivation zu guter Arbeit, bis hin zu Spitzenleistungen. Was denken Sie, nützt einer Volkswirtschaft mehr, ein unmotiviertes Heer von Hartz4-Sklaven oder eine kleinere Anzahl hoch motivierter Spitzenkräfte? Ich weiß, Hartz4 ist ein Produkt der rot-grünen Regierung und dient hier lediglich als drastisches Beispiel um die Gegensätze herauszuarbeiten.

Fragen Sie sich doch mal persönlich: Sind Sie Rechtsanwalt und Politiker geworden, nur um Ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Würden Sie Ihre wertvolle Arbeit niederlegen, wenn Sie ein Grundeinkommen bekämen, zu dem jede persönliche Leistung steuerfrei zusätzlich bezahlt würde? Würde das Ihr eigenes Streben nach wirtschaftlichem Erfolg und Fortschritt behindern?

Sicher nicht! Lediglich die unmotivierten Arbeitnehmer, die bisher ihrem Arbeitgeber mehr Last als Hilfe waren, werden sich vielleicht eine Zeit lang auf die faule Haut legen. Das tun sie jetzt schon, indem sie krank werden, und belasten damit die Kranken- und Sozialkassen. Bei Lebensgeld würden sie ihren Arbeitgeber entlasten, sich etwas ausruhen und vielleicht ganz neue Fähigkeiten bei sich entdecken, die sie peu à peu freiwillig und steuerfrei dem volkswirtschaftlichen Kreislauf zuführen.

Und - um beim obigen Beispiel zu bleiben - was dient der Volkswirtschaft mehr, ein weitgehend zahlungsunfähiges Heer von Harz4-Sklaven bzw. Geringverdienenden oder ein ganzes Volk zahlungsfähiger Menschen, die auf Grund des technischen Fortschritts gar nicht mehr alle voll beschäftigt werden müssen?

Denken Sie bitte auch an die Einsparungen bei den Lohnkosten von ca. 25% bei gleichbleibendem Netto-Lohn. Träumen nicht die Unternehmer von geringeren Lohnkosten? Oder die Kosten-Reduktion bei Waren-Verkäufen von etwa 50%, die sich zum Teil in höheren Gewinnen und zum anderen Teil in niedrigeren Preisen niederschlägt.

Der Binnen-Markt (innerhalb des Lebensgeld-Währungsraumes) wird gestärkt, da Anbieter, die kein Lebensgeld akzeptieren, einen Wettbewerbsnachteil haben. Wenn sie sich daraufhin entschließen, Lebensgeld zu akzeptieren, profitieren alle Beteiligten davon. Eine echte WIN-WIN-Situation also!


Zitat:

Original von Friedrich Merz
Auch würde die Führung der einzelnen Lebensgeldkonten eine umfangreiche Bürokratie nach sich ziehen.



Lebensgeld erfordert weit weniger Bürokratie, als bisherige Steuer- und Abgaben-Systeme. Lediglich die Identität muss eindeutig sein. Dafür haben wir bereits Einwohnermelde- und Standesämter. Selbstverständlich braucht jede Neueinführung zunächst einen gewissen Mehraufwand. Die Kontoführung lässt sich per Software genau so einfach realisieren wie bisherige Bankkonten.

Mittelfristig ist mit Bürokratie-Abbau zu rechnen.

Zitat:

Original von Friedrich Merz
Weiterhin hat durch die Politik der rot-grünen Bundesregierung hinsichtlich des Stabilitäts- und Wachstumspaktes das währungspolitische Ansehen Deutschlands in der Welt und damit der hiesige Wirtschaftsstandort bereits umfangreichen Schaden genommen, so dass weitere Diskussionen hinsichtlich der Einführung einer Parallelwährung zur weiteren Verunsicherung nicht nur bei den Bürgern beitragen würden.



Die Verunsicherung sehe ich genauso wie Sie. Sie besteht weltweit. Überall sehen wir ratlose Gesichter: Bei den Politikern, bei den Bank-Chefs und bei der Bevölkerung.

Bereits Albert Einstein wusste "Man kann ein Problem nicht mit den Methoden lösen, mit den man es verursacht hat." Die weltweite strukturelle Wirtschaftskrise ist systembedingt. Sie kann also nur mit völlig neuen Ansätzen gelöst werden. Lebensgeld ist ein solcher Ansatz. Wenn Sie sich hineindenken, werden Sie vermutlich die Tiefe und Tragweite des Lebensgeldes kennen und schätzen lernen.

Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit und stehe Ihnen gerne jederzeit für Fragen, Kritik und Anregungen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Hückstädt

Christian Freiherr von Stetten

 

Christian Freiherr von Stetten ist der Budestagsabgeordnete unseres Wahlkreises.

Am 05.07.2005 bekamen wir einen Anruf aus seinem Wahlkreisbüro. Es solle im August ein persönliches Gespräch stattfinden. Zu diesem Treffen ist es bis jetzt noch nicht gekommen.