Vergleich Grundeinkommen - Freigeld - Joytopia
Das
Netzwerk Grundeinkommen hat eine sehr umfassend akzeptierte Definition eines "Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE)" gefasst. Diese Definition sagt nichts über die Finanzierung aus. Leider wird in der öffentlichen Diskussion oft Götz Werner's Modell als Repräsentant für die Idee des Grundeinkommens herangezogen. Ein Beispiel hierfür ist der ansonsten recht gute
Film Grundeinkommen
Sylvio Gesell wollte über die Besteuerung von Grund und Boden eine Mutterrente einführen. Einige Freiwirte sehen hierin die Finanzierungsmöglichkeit für ein Grundeinkommen.
Auch in der Natürlichen Ökonomie ist die Idee des Grundeinkommens verwirklicht - nur völlig anders finanziert: durch Lebensgeld – aus dem Leben für das Leben.
Im folgenden sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Modelle von Götz Werner, Silvio Gesell und Bernd Hückstädt dargestellt werden.
| Modell G. Werner | Freigeld | Joytopia | |
|---|---|---|---|
| Modell | Herkömmliches Geldsystem Reines Mehrwertsteuersystem in Verbindung mit Grundeinkommen |
Natürliche Wirtschaftsordnung nach Sylvio Gesell |
Natürliche Ökonomie nach Bernd Hückstädt |
| Grundeinkommen (BGE) | 400 - 1.500 EUR pro Monat, je nach Finanzierbarkeit | möglich | 1000 Dank/Monat |
| Finanzierung des BGE | Finanzierung trotz 100% Mehrwertsteuer nicht gesichert, weil abhängig von Wirtschaftsleistung bzw. Verbrauch | Besteuerung von Grund und Boden | systembedingt durch Dankschöpfung |
| Staatseinkommen | 100% Mehrwertsteuer / Verbrauchssteuer. Keine Einkommensteuer "Unternehmerparadies" Steuern abhängig vom Verbrauch |
Steuern | Bedingungsloses Staatseinkommen: 1000 Dank Dankschöpfung pro Bürger pro Monat, unabhängig von Wirtschaftsleistung und Verbrauch für alle Staaten gleich. |
| Ausgleichs- und Umwelt- Fonds | - | - | 1000 Dank Dankschöpfung pro Bürger pro Monat Umweltschutz und -Sanierung werden die lukrativesten Wirtschaftszweige |
| Vergänglichkeit | chaotisch, katastrophal durch Wirtschaftskrise, Geldcrash, Weltkriege usw. | Umaufsicherung 4 - 24 % pro Jahr, je nach Modell | 50% der Geldmenge pro Jahr, entspricht ca. 5,6% pro Monat |
| Geldmenge | chaotisch veränderbar durch Kredite, "Finanzblasen" etc. | nicht bekannt | 60.000 Dank pro Person stabil, weil sich Geldschöpfung und Vergänglichkeit die Wage halten |
| Staatliche Kontrolle | Starker Überwachungsstaat nötig. Bei 100% Mehrwertsteuer ist jede Nachbarschaftshilfe ein potentieller Steuerbetrug, der zudem die Einnahmen für das Grundeinkommen senkt. Gleiches gilt für alle Modelle, die das Grundeinkommen durch Transaktions-Steuern wie Umsatzsteuer und Einkommensteuer finanzieren wollen. |
Ähnlich wie jetzt | Nicht nötig, da es keine Transaktios-Steuern gibt. |
| Schwarzarbeit | Unlogisch: Arbeit für Unternehmen ist steuerfrei. Arbeit für Privatleute muss mit 100% Mwst. versteuert werden. Das Problem der Schwarzarbeit verschärft sich bei allen über Transaktionssteuern finanzierten Modellen. |
Ähnlich wie jetzt | Da es keine Transaktions-Steuern gibt, gibt es per Definition auch keine Schwarzarbeit. |
| Arbeitslosigkeit | verwandelt sich in selbst bestimmte Zeit | Ähnlich wie jetzt. Es werden nur 20% Menschen gebraucht um 100% Menschen zu versorgen. | verwandelt sich in selbst bestimmte Zeit |
| Demografischer Wandel, Alterspyramide | Problemlos | Problem ähnlich wie jetzt | Problemlos |
| Tilgung der Staatsschulden | - | - | Mit Vermögensumtausch innerhalb weniger Jahre möglich |
| Sicherung privater Vermögen bei Geldcrash | - | - | Durch Vermögensumtausch sind Privatvermögen im Falle eines Geldcrashs auf 20 Jahre gesichert. |
| Ausgleich zwischen armen und reichen Ländern | Grundeinkommen ist in armen Ländern deutlich niedriger als in reichen. Ein Ausgleich kann, wenn überhaupt, nur schleppend vonstatten gehen. | Durch Freigeld mit Umlaufsicherung wird die Wirtschaft auch in armen Ländern angekurbelt. Ein Ausgleich ist vor allem bei ressourcen-starken Ländern möglich. | Reiche Länder haben Waren, Dienstleistungen und Technologie anzubieten. Bisher arme Länder haben die finanziellen Mittel, einzukaufen. Der Ausgleich vollzieht sich von selbst durch die Gesetze des Marktes. |
Die Tabelle wird zur Zeit nach bestem Wissen und Gewissen aufgebaut. Ergänzungen und Korrekturvorschläge sind ausdrücklich erwünscht.
Kommentare:
freiwillige Vorauszahlung: Das Argument dazu ist relativ einfach: Wenn ich meine Steuern gleich zahle, verfällt weniger von dem Geld, das ich am Ende des Monat über behalte. Und: wenn ich mehr bezahle, als ich müsste, verfällt mein Geld nicht, falls sich herausstellt, dass ich zuviel bezahlt habe.
kürzer Arbeiten, höhere Löhne, Vollbeschäftigung: Ich argumentiere hier immer damit, dass die aktuell vorhandene Zinslast etwa 1,6 Millionen potentielle Arbeitsplätze verhindert. Da der Kreditzins beim Freigeld bis auf 0% herunterfallen kann, wird dieses Geld in den UNternehmen frei, sodass diese Aufträge vergeben oder direkt Leute einstellen können.
Eine andere Argumentationslinie ist: Durch den Wegfall des Zinses fallen die Preise bzw. steigen die Löhne so stark, dass in Famillien nurnoch ein Elternteil arbeiten muss, während sich der andere um die Erziehung der Kinder kümmert. Auch das führt zu einer starken Senkung der arbeitsuchenden.
"Echte" Vollbeschäftigung führt schließlich dazu, dass prekäre Beschäftigungsbedingungen verschwinden, denn der Arbeitgeber muss um seine Arbeitskraft fürchten, wenn diese nicht zufrieden ist oder ein besseres Angebot bekommt.
Dieser Effekt gilt m.E. gleichermaßen auch für das joytopia-Modell.
Wenn du die ganzen Kriterien hast, dann schick sie mir bitte zu. Ich bin in einem Freiwirtschaftsforum aktiv und kann diese Kriterien dann dort diskutieren. :)
lg
Torsten
hallo Torsten,
ich bin dabei die Tabelle weiter auszubauen. Könntest Du bitte Deine vorgebrachten Punkte zum Freigeld etwas mehr erleutern - ich hab´da bei einigen Punkten noch Zweifel z.B. die freiwillige Vorauszahlung von Steuern; ist da nicht eine Kontrolle "hinterher" notwedig? Und wieso sollen kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne zu Vollbeschäftigung führen? Nach allem was ich weiß wird die von Menschen zu verrichtende Arbeit tendenziell immer weniger (weil die Produktivität steigt)- damit entsteht aber auf dem Arbeits"markt" eine immer schärfere Konkurenzsitustion die eher niederigere Arbeitslöhne zur Folge hat. Diese Konkurenzsituation kann durch ein BGE bzw. das Lebensgeld entschärft werden. Nur wenn niemand "gezwungen" wird zu erbärmlichen Bedingungen zu arbeiten (eben durch die Absicherung durchs Lebensgeld) kann auf dem Arbeitsmarkt ein angemessener Lohn sozusagen auf Augenhöhe ausgehandelt werden.
Und langfristige Invests haben nicht immer was mit Umeltschutz zu tun (z.B.AKWs und andere Großprojekte). Die Frage ob Gewinn oder nicht darf m.E. nicht von der Laufzeit einer Investition abhängen sondern muss von der Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit her beurteilt werden.
Du kannst mir die Punkte ja mal aus Deiner sicht beschreiben und mir zuschicken - ich werde sie dann nach Absprache mit Bernd in die Tabelle einbauen.
Ich beabsichtige eine größere Tabelle mit noch mehr Modellen (Spalten) und auch noch weiteren Kriterien (Zeilen) in Exel anzulegen. Dazu brauche ich dann auch noch Stellungsnahmen von Verfechtern der einzelnen Modelle.
Herzliche Grüße
Hermann
Zum Thema Freigeld hier ein paar Korrekturen:
Geldmenge: Genau die Geldmenge, die nötig ist, um Preise stabil zu halten.
Staatliche Kontrolle: Steuern werden "freiwillig" im Voraus bezahlt (so wars in Wörgl)
Arbeitslosigkeit: Vollbeschäftigung durch kürzere Arbeitszeiten und bessere Löhne
Tilgung der Staatsschulden: Möglich, da Kredite unverzinst
Sicherung privater Vermögen bei Geldcrash: System wurde entwickelt, um genau das zu verhindern.
Die "Ausgleichs- und Umwelt- Fonds"-Zeile würde ich in "Umweltschutz" ändern.
Für Freigeld gilt dann: Für Unternehmen attraktiv, weil nur langfristige Investitionen zu Gewinn führen.
Hallo Bernd,
Vielen Dank für die Tabelle, ich werd sie mal in ein druckbares PDF umwandeln so dass sie dann zu Download angeboten werden kann.
Zur Ergänzung schlage ich vor noch eine Spalte mit "Status quo" einzurichten und weitere Zeilen:
Verschuldungsmöglichkeiten für das Individuum;
Verzinsung von (Geld)-Vermögen;
"Verzinsung" über Beteiligung oder Verfügung von (Produktiv)-Vermögen;
Verzinsung durch Miet- und Pachteinnahmen;
Erb-Problematik (durch plötzlich vererbtes Geld kommt die Geldmenge pro Kopf aus dem Gleichgewicht);
Verwaltungsaufwand für die Gemeinschaft (Staat); Verwaltungsaufwand für den Einzelnen (Minimierung von Buchhaltung, Rechnungsstellungen etc.);
Finanzierung gesellschaftlich notwendiger Arbeit;
Produktion zum Wegwerfen (eingebauter geplanter schneller Verscheiß, so dass möglichst rasch neu produziert werden muss)
Kein Anspruch auf Vollständigkeitt ;-))
Liebe Grüße
Hermann
Hy Bernd,
finde ich genial deine Vergleich.
Endlich mal was sichtbares übersichtliches für jedermann irgendwie verständlich dargestellter Vergleich.....
ich würde sagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort....
super...
LG Conny
